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Männer müssen untereinander mehr Zärtlichkeiten austauschen

Ich freue mich, dass du wieder zu meinem Tagebuch gefunden hast. Vor kurzer Zeit habe ich ein Facebook-Aufruf gelesen, darin hieß es: "Männer müssen lernen, sich untereinander mehr zu berühren und zueinander zärtlicher zu sein". Ich bin zu 100% derselben Meinung. Es stellt sich mir aber auch die Frage, sind Männer untereinander tatsächlich etwas kühler als Frauen? In dem Bericht stand, dass Frauen weniger Berührungsängste haben als Männer. Egal ob Hetero/Hetero, Schwul/Hetero oder Schwul/Schwul, körperliche Nähe ist ein Urbedürfnis des Menschen, das ein Leben lang vorhanden bleibt. Ich habe kein Problem, meine Freunde, egal ob schwul oder hetero, zu zeigen, dass ich sie mag. Das mache ich auf meine ganz besondere Art. Mein bester Freund, welcher mit einer Frau zusammen lebt, hat bei unseren gemeinsamen Urlauben gar keine Berührungsängste. Wir machen jährlich einen Urlaub ohne Begleitpersonen. Wir belegen ein Doppelzimmer und berühren uns, wenn es uns danach ist, umarmen uns, wenn das Verlangen da ist. Ja, wir tauschen Zärtlichkeiten aus, weil wir uns mögen. Dabei spielen sexuelle Gedanken gar keine Rolle. Aber gibt es tatsächlich unter Männern mehr Berührungsängste als bei Frauen? Ich denke JA.

Den Buben und Männern wird meist von klein auf eingetrichtert, dass zu viel Berührungen und emotionale Offenheit suspekt und unmännlich seien. Werden jedoch Berührungen und Zärtlichkeit zwischen zwei befreundeten Männern normalisiert, lassen sich viele gesellschaftliche Probleme lösen. Erlebt ein Mann Unterstützung und einen liebevollen Umgang in einer Freundschaft, wird er lernen, auch zu sich selber mehr Sorge zu tragen. Er wird sich mehr öffnen. Konkret heißt das beispielsweise, dass sich Männer im Falle von psychischen Problemen schneller Hilfe holen. Man sagt sogar, dass nach mehr Zärtlichkeiten und Geborgenheit auch Suchterkrankungen vorgebeugt werden könnten. Unsere Gesellschaft muss davon wegkommen, dass die männliche Berührung oder die männliche Zärtlichkeit vor allem als bedrohlich und sexuell gilt. Ein zärtlicher und überlegter Umgang von Männern untereinander dürfte auch Empathie und Selbstverantwortung stärken. Dass ein offener Umgang mit Umarmungen zwischen Männern dazu führen kann, dass ein vermurkstes Männlichkeitsbild überwunden wird, mag sein. In Italien, Frankreich oder im arabischen Raum etwa geben sich Männer Küsschen zur Begrüßung, was bereits am Anfang eine gewisse Distanz abbaut. 

Weiters steht in dem besagten Facebook-Aufruf: "Zahlreiche Männer hierzulande ließen nur wenig Nähe zu, aus Angst, bei zu viel Berührungen als unmännlich zu gelten." Ich beobachte jedoch, dass immer mehr Männer (auch Heteros) sich immer mehr öffnen und zu ihrem Bedürfnis, Zärtlichkeiten und Berührungen auch bei Männern zu suchen, stehen. Dies ohne der Befürchtung, in eine uns bekannte Schublade gesteckt zu werden. Sportler, die erfolgreich waren, zum Beispiel ein Tor geschossen haben, umarmen und küssen sich, weil sie das Bedürfnis dazu haben. Weshalb muss der Austausch von Zärtlichkeiten, die Umarmungen, ein Küsschen, ... immer in Verbindung mit Erfolg stehen? Niemand denkt bei solch einer Szene, die könnten ja schwul sein. Ich bin der Meinung, dass viele Männer erst in einer liebevollen Männerfreundschaft lernen sich zu öffnen und ihre sensible, fürsorgliche Seite zu zeigen. Es liegt schlussendlich an jedem selbst, zu seinen Gefühlen und Sorgen zu stehen - ohne ihre Männlichkeit absprechen zu müssen. 

Foto: Screenshot YouTube LoveWMen

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Kommentare: 1
  • #1

    Andy (Samstag, 08 Dezember 2018 06:24)

    Toller Beitrag. Ich beobachte auch dass Männer etwas kühler wirken als Frauen. Sie haben Angst davor, als Schwuler betitelt zu werden. Ja keine Umarmung, ja keine Zärtlichkeiten zeigen, das macht man unter Männern nicht. Aber daheim die Heulsuse sein. Ich bin auch der Meinung, Männer, auch heteros/schwul oder heteros/heteros wollten mehr Zärtlichkeiten austauschen können.