· 

Ich oute mich - ich finde Weihnachten einfach nur schrecklich

Hallo und liebe Grüße. Mit diesem Blogartikel mache ich mich bestimmt bei vielen Lesern unbeliebt. Doch da muss ich nun durch! Ich bin ja kein Gegner von Glühwein, Lebkuchen, Punsch, Kekse, Weihnachtssterne, Dominosteine, Christbäume, Weihnachtsmärkte, Glitzer, Glühmost, Adventskalender, Plätzchen, Adventskränze, Kerzen, Lametta, Lichterketten. All diese Dinge mag ich irgendwie. Trotzdem mag ich Weihnachten nicht. Jedes Jahr wird mir etwas unbehaglich zumute, wenn der erste Nikolaus im Supermarkt verkauft wird, und das vorrangig nicht, weil es bereits Anfang September anfängt. Ich habe ein Problem mit gesellschaftlich starren, festgelegten Gefügen. Für mich gehören unumgängliche Feste wie Weihnachten und Silvester auch dazu. Es stört mich, dass ich am 24.12. nicht einfach rumliegen und nichts machen kann. Jaaaaaaa, ich kann es theoretisch tun, praktisch aber dann doch wieder nicht. Es wird erwartet, dass man das heilige Fest angemessen feiert, fotografisch dokumentiert und auf Nachfrage Auskunft darüber erteilt. Was hast du gemacht? Was hast du gekocht? Wer war bei euch zu Weihnachten? Was hast du geschenkt bekommen? Bereits im Oktober spürt man das drohende Elend näher rücken und spätestens am 1. Dezember ist es dann so weit: Die Weihnachtslieder-Saison hat begonnen. Aus mir unerfindlichen Gründen dröhnt sich dann plötzlich die gesamte Menschheit freiwillig mit der schlechtesten Musik, die auf diesem Planeten existiert, voll und wenn ich dann freundlich vorschlage, diesen kompletten Blödsinn wieder auszuschalten, werde ich mit bösen Blicken und «Es ist Weihnachten, das gehört dazu» abgefertigt. Übrigens, "Last Christmas" von Wham gehört zu einer der schrecklichsten Weihnachtslieder überhaupt. Diese Aussage kommt bei meinen Freunden gar nicht gut an.

Nicht nur musikmässig dreht die Menschheit in der Weihnachtszeit völlig durch. Jede Firma scheint nämlich zu glauben, sie müsse unbedingt ein völlig unpassendes Xmas-Special ihres total langweiligen Produktes rausbringen. Weihnachts-Toilettenpapier? Gibt es! Ist doch egal, womit ich mir den Hintern auswische. Brauche ich da Christbaumkugeln aufgedruckt? Naja, den Po-Backen wirds freuen. Dann das: Die meisten Leute in meinem Leben mag ich wirklich. Trotzdem weiß ich jedes Jahr nicht, was ich ihnen zu Weihnachten schenken soll (die Zeiten, in denen ich Mama und Papa einfach ein altes WC-Papier-Röllchen bemalen konnte und sie es dann voller Begeisterung im Wohnzimmer aufgestellt haben, sind leider vorbei). Deshalb habe ich mit einigen Freunden abgemacht, dass wir uns einfach nichts schenken. Ihr denkt, damit sei das Problem gelöst? Falsch gedacht! Denn ich weiß genau, dass es dann an Weihnachten plötzlich heißt, sie haben jetzt doch noch etwas «ganz Kleines» gefunden. Und wer ist dann der Loser und steht mit leeren Händen da, wenn er beschenkt wird? Genau: Ich. Ich stürze mich also widerwillig ins Getümmel, in der Hoffnung, dass mir plötzlich das ideale Geschenk für jeden meiner Verwandten und Bekannten entgegen springt. Doch nach fünf Minuten in einer dieser Weihnachtsverkaufshöllen stellt sich jeweils ein Gefühl ein, das ich den Kitsch-Kater nenne: Von all den weiß glitzernden Engeln, farbig blinkenden Weihnachtsmännern und diversen weiteren Kreaturen, die nur weil sie glitzern weihnachtlich sein sollen, wird mir übel, ich bekomme mittelschwere Schweißausbrüche und mein Kopf beginnt zu pochen. Mein Herz rast und ich beginne zu halluzinieren. Ok das war etwas übertrieben, aber ihr wisst bestimmt, was ich meine. Dann, kurz vor Heilig Abend werden noch unzählig viele Karten geschrieben, obwohl man im vorigen Jahr vorgenommen hat, es nicht mehr zu tun. Schließlich hat man von denen ihre Weihnachtsgrüße auch nur über WhatsApp erhalten. Dann, am 24.12. werden zudem noch unendlich viele WhatsApp Nachrichten und SMSen versendet. Es werden Kontakte hergestellt, mit Verwandten, Bekannten und angeblichen Freunden, von denen man das ganze Jahr nichts hört. Die Familie möchte, dass man nach Hause kommt und sowieso sei es doch traurig, am Heiligabend alleine zu sein. Für mich ist der Tag jedoch nicht anders als alle anderen Tage, da ich weder einen besonderen (religiösen) Bezug zu ihm verspüre, noch kleine Kinder habe, die sich unglaublich darauf freuen. Man macht es einfach, weil man es macht. Und das mag ich nicht. Ich bin gerne bei meiner Familie und bei meinen Freunden, ich esse gerne zu viel, ich sitze gerne mit Menschen gemütlich zusammen. Aber dafür brauche ich kein festgelegtes Datum und in mir brodelt der Rebell, der einfach nicht machen möchte, nur weil man es macht. Ich fühle mich ein bisschen genötigt, bei dem mitzumachen, was alle machen, obwohl mir der persönliche Sinn dahinter fehlt. Meinen Geburtstag lässt man mich zum Glück so gestalten, wie ich will. Da macht es auch nichts aus, wenn ich die Feier, wenn überhaupt, auf ein Wochenende verlege. Für Weihnachten und Silvester gilt das nicht. Einzig und allein meinen Blog habe ich in diesem Jahr weihnachtlich geschmückt, weil ich weiß, dass die Mehrheit meiner Blogbesucher Weihnachten lieben. Man sieht schließlich auch auf Facebook unendlich viele Fotos von geschmückten Wohnungen, Gaststätten, Bars, ... Was unter Kitsch und Kunst fällt, wage ich zu beurteilen. Am Fenster bei unseren Nachbarn blinkt eine bunte Madonna. Na seavas!

Für mich noch 100 mal schlimmer als Weihnachten ist Silvester. Hier ist der allgemeine Druck, einen super genialen Abend, die beste Nacht des Jahres zu haben, besonders groß. Schon Wochen vorher überlegt man, was man anstellen könnte, keiner will sich festlegen, wo und mit wem man feiert, also wird dies bis zur letzten Sekunde offen gelassen und am 31. enttäuscht festgestellt, dass es wohl doch nicht so geil wird. Dämliche Böller und Raketen werden gekauft, dabei denkt man weder an die Umwelt noch an die Vierbeiner und die restliche Tierwelt. Den provokantesten Satz, den ich wohl je geäußert habe, war „ich bleib‘ Silvester alleine zuhause“. Das kommt nicht in Frage, das ist unerhört, waren noch harmlose Antworten. Schlimmer wird es wenn man dir ins Gesicht knallt: "Wieder so eine Depressive". Bisher war Silvester bei mir nie die krasseste Nacht des Jahres und wird es auch dieses Jahr nicht werden. Darüber bin ich fast schon froh. Weihnachten und Silvester werde ich mit meinem Partner zuhause verbringen. Ganz gemütlich auf dem Sofa, mit Glühwein und leckeren Häppchen. Mit am Sofa wird unsere Katze liegen und von alledem nichts mitbekommen.

Fotos: Pixabay

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Seddi (Dienstag, 11 Dezember 2018 16:04)

    Du bist nicht allein. Genau so empfinde ich es auch. Ich bin mir fast sicher, dass 505 gar nicht mehr wissen, was eigentich gefeiert wird. Danke für diesen Beitrag.

  • #2

    Seddi (Dienstag, 11 Dezember 2018 21:12)

    50% war gemeint

  • #3

    Andreas aus Retz (Dienstag, 11 Dezember 2018 21:29)

    Ich denke das kommt auch daher, weil alles so früh beginnt.

  • #4

    Kussmaulfisch (Montag, 17 Dezember 2018 07:56)

    Seien wir uns doch mal ehrlich: Wer glaubt heute noch ans Christkind? Ein Mythos wie der Osterhase. Was soll man da feiern? Das die Geschäfte boomen?