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Reise nach Simbabwe verschoben

Hallo und liebe Grüße. Schon seit Tagen verfolge ich mit großer Sorge die aktuelle Situation bei meinen schwulen Freunden in Chinhoyi und Victoria Falls in Simbabwe. Heute dann die Gewissheit: Das Land ist für meine Reise im Frühjahr nicht mehr sicher genug. Selbst das Auswärtige Amt warnt vor Aufenthalten in Städten und dem benachbarten Umland. In Simbabwe geht das Volk gegen höhere Benzinpreise auf die Strasse. Doch der Unmut liegt viel tiefer. Die Regierung in Simbabwe hat die Benzinpreise verdoppelt. Das machte die Menschen wütend. Seit über drei Tagen findet deshalb ein Generalstreik statt. Viele Streikende gehen auf die Strasse und protestieren. Es gab heftige Zusammenstösse mit den Sicherheitskräften. Schreckliches, was meine Freunde mir auf meinem privaten Facebook-Profil posten. 

Mehrere hundert Menschen wurden festgenommen, darunter der prominente Pfarrer Evan Mawarire. Laut Angaben von Menschenrechtsaktivisten wurden schon dutzende Personen getötet. Die Zimbabwe Association of Doctors for Human Rights (ZADHR) berichtet, dass 70 Personen allein mit Schusswunden in Spitälern behandelt werden mussten. Grund für den Unmut: Simbabwe steckt in einer Wirtschaftskrise. Es gibt von vielen Gütern nicht genug, zum Beispiel eben Benzin oder Medikamente. Die Regierung hat nicht genügend US-Dollar, um diese Güter einzuführen. Das Leben sei für die Bevölkerung sehr teuer geworden. In der Bevölkerung habe sich eine große Wut aufgestaut.

Die Verärgerung richte sich gegen den amtierenden Präsidenten Emmerson Mnangagwa. Viele Leute haben das Gefühl, bei den Wahlen sei ihnen die Chance gestohlen worden, einen richtigen Wandel herbeizuführen. Mnangagwa ist seit dem Sturz Mugabes Ende 2017 simbabwischer Präsident. 2018 wurde er als Präsident gewählt, doch die Wahlen waren sehr umstritten. Es habe Vorwürfe von Wahlbetrug und Einschüchterung gegeben. Mnangagwa war lange Minister unter Mugabe, unter anderem Staatssicherheitsminister.

Und jetzt das: Auch das Internet wurde eingestellt! Da die Proteste oft via die sozialen Medien organisiert worden waren, hat die Regierung das Internet zum Teil abgeschaltet. Die sozialen Netzwerke sind offline. Die simbabwischen Sicherheitskräfte scheint unverhältnismäßig heftig zu reagieren. Die Regierung greife immer wieder auf das Militär zurück, wenn es Proteste gebe. Die Bevölkerung fürchtet die Armee, und zwar zurecht. Nach den Wahlen wurden Menschen vom Militär erschossen. Dieses Mal gibt es Berichte, dass Soldaten Hausdurchsuchungen durchgeführt und Menschen verprügelt hätten. In Simbabwe sind Hunger, Arbeitslosigkeit, Energieknappheit und Binnenflucht weit verbreitet. Selbst das Handy-Netz wird seit Tagen immer wieder abgedreht.

Im Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen nahm Simbabwe 2016 unter 188 Ländern den 155. Platz ein. In der Rangliste des Happy Planet Index der New Economics Foundation in Zusammenarbeit mit Friends of the Earth belegte Simbabwe in zwei aufeinander folgenden Studien in den Jahren 2006 und 2009 weltweit den letzten Platz. Doch Simbabwe ist als Land wunderschön - ja einzigartig. Besonders der Norden von Simbabwe, die Victoria Wasserfälle, der Kariba-Stausee, der Hwange Nationalpark - um nur ein paar wenige von vielen Sehenswürdigkeiten zu nennen. Selbst die Gay-Szene ist, wenn auch versteckt, gut vertreten. Homosexuelle Handlungen zwischen Männern sind in Simbabwe zwar nach wie vor strafbar. Seit Juni 2006 gibt es ein Gesetz gegen „Sexuelle Abnormalitäten“. Damit ist eine „Handlung, die Kontakt zwischen zwei Männern beinhaltet und von einer vernünftigen Person als unanständige Handlung angesehen wird“ definiert, selbst Händchenhalten wird demnach als strafbar ausgelegt.

Eine staatliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren besteht weder in der Form der gleichgeschlechtlichen Ehe noch in einer eingetragenen Partnerschaft. Aufgrund der Illegalität bestehen keine LGBT-Communitys in Simbabwe. Homosexuelle Männer werden dadurch in den gesellschaftlichen Untergrund gedrängt. Unter der Regierung des Präsidenten Robert Mugabe wurden homosexuelle Menschen in Simbabwe staatlicherseits massiv drangsaliert. Aber es gibt sie, die Gay-Szene, wie überall auf der Welt, wenn auch versteckt. Nachdem ich meine Reise auf unbestimmte Zeit verschoben habe, folgt der angekündigte Bericht aus Simbabwe mit vielen Tipps (auch aus der Gay-Community) nach meiner Reise. Meinen Freunden in Simbabwe wünsche ich viel Kraft!

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Kommentare: 2
  • #1

    Waldi (Montag, 21 Januar 2019 17:11)

    Habe es in den Nachrichten gesehen. Schreckliche Situation. Wo findet man in diesem Land eine Gayszene? Eher in der Stadt oder am Land? Habe erfahren dass es am Karibasee ein Camp gibt, da soll es nur von Gays so wimmeln. Entspricht dies der Wahrheit?

  • #2

    Calmore (Sonntag, 27 Januar 2019 18:05)

    Habe die Nachrichten auf Facebook verfolgt. Da wird gefoltert was das Zeug hält. Tut mir echt leid um dieses schöne Land.

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