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Weshalb ich 2020 nach Afrika reise

Hallo und liebe Grüße. Bei meinen Freunden ist meine Liebe zu Afrika, den Menschen die dort leben, den Tieren und das Land, schon lange kein Geheimnis mehr. Viel Zeit habe ich schon in Afrika, speziell in Simbabwe verbracht. Die Orte Chimanimani, Chinhoyi, Mutare und den Kariba-See kenne ich fast wie meine Westentasche. Für mich gibt es keine schöneren Orte wie der Hwange Nationalpark und die Victoria Wasserfälle. Weshalb ich 2020 wieder zu zwei der homophobsten Länder Afrikas reisen werde, was hinter meiner Mission steckt, versuche ich mit diesem Artikel zu erklären. 

Für viele Afrikaner ist Homosexualität etwas Abartiges. Die katholische Kirche und Evangelikale schüren den Hass. Das macht es mir nicht leichter, meine zwei Lieblingsländer Sambia und Simbabwe zu besuchen. "Informiert uns weiter über sie, damit wir die Bedrohung ausmerzen können". Mit diesem Aufruf zur Denunzierung von Homosexuellen sorgte der Gouverneur von Daressalam, der grössten Stadt Tansanias, vor wenigen Jahren international für Empörung. Überrascht war er nicht über die Reaktionen: "Ich weiß, dass diese Aktion einigen Ländern nicht gefallen wird". Doch er könne sich nicht zurücklehnen und Menschen erlauben, das Falsche zu tun, nur weil einige Länder diese Art von Verhalten billigten.

Die USA und die EU gaben Reisewarnungen, speziell für das ostafrikanische Land heraus. Die US-Botschaft in Tansania rät Besuchern, ihre Social-Media-Kanäle auf belastende Posts und Bilder hin zu untersuchen; die EU zog ihren Botschafter aus Protest zurück.

Die tansanische Regierung hat sich zwar von Makondas Äußerungen distanziert. Doch ein fahler Nachgeschmack bleibt. Denn um den Aussetzer eines zweifelhaften Regionalpolitikers handelt es sich nicht: Homophobe Rhetorik ist in Tansania auf höchster politischer Ebene salonfähig. Präsident John Magufuli machte nach seinem Wahlsieg 2015 deutlich: Wer "gegen die Natur" handle, dem drohten bis zu 30 Jahre Haft. Die Regierung von Tansania geht laut Human Rights Watch sehr hart gegen Homosexualität vor. 

Aktivisten berichten, dass Übergriffe auf sexuelle Minderheiten und Verhaftungen in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Vor allem in der Millionenmetropole Daressalam und auf der Urlaubsinsel Sansibar kam es wiederholt zu Festnahmen von angeblichen Homosexuellen.

Auch andere afrikanische Länder, viele davon christlich geprägt, gehen gegen Homosexuelle vor.

In Kenia etwa werden homosexuelle Handlungen mit bis zu 14 Jahren Gefängnis bestraft. Am 22. Februar 2019 sollte der kenianische Hohe Gerichtshof entscheiden, ob die gegen Homosexualität gerichteten Abschnitte des Strafgesetzbuchs verfassungswidrig sind. Nun wurde die Entscheidung des Urteils aufgrund von "einigen Herausforderungen" auf den 24. Mai verschoben. Eine Enttäuschung für die kenianische National Gay and Lesbian Human Rights Commission (NGLHRC), die seit Jahren darum kämpft, diese Gesetzgebungen zu kippen. 

In Simbabwe war Langzeitdiktator Robert Mugabe Wortführer des Schwulenhasses. Seit 2006 gibt es dort ein Gesetz gegen "sexuelle Abnormitäten". Es sind jedoch überraschende Neuigkeiten aus Simbabwe, welche man so bislang nicht für möglich gehalten hätte: Das Land hat angekündigt, Gesundheitszentren betreffend HIV an mehreren Standorten zu eröffnen, welche sich explizit an schwule und bisexuelle Männer richten. Damit will man die wachsenden Zahlen bei den Neuinfektionen besser in den Griff bekommen. 

Ob die Zentren auch tatsächlich von den schwulen und bisexuellen Männern genutzt werden ist allerdings die große Frage. Simbabwe hat nämlich angekündigt, trotz diesem Vorstoß nichts an der aktuellen Gesetzgebung ändern zu wollen, sprich, Homosexualität bleibt weiterhin strafbar.

Damit wird es den Männern sehr schwer gemacht, solche Einrichtungen zu besuchen. Es braucht einerseits viel Aufwand um das nötige Vertrauen aufzubauen, und im weiteren dürften sich viele auch gar nicht erst getrauen dort vorbeizuschauen, da sie gesehen werden könnten.

In diese Richtung zielt den auch die Kritik von zahlreichen Menschenrechts- und LGBT-Organisationen: Indem man die ohnehin schon sehr verletzliche Gruppe der schwulen und bisexuellen Männer weiter kriminalisiere, halte man sie auch von der HIV-Prävention, den Tests und den Behandlungen fern. Als Resultat würden viele ihren HIV-Status gar nicht erst kennen. Sie würden zudem allein und ohne Behandlung gelassen.

Es gibt bereits LGBT-Organisationen im Land, welche sich ebenfalls um HIV/Aids bei schwulen Männern kümmern, doch sie sind immer wieder von Razzien und Schließungen, oder gar von Verhaftungen von Mitarbeitern betroffen. 

In Sambia , dem nördlich von Simbabwe gelegenen Nachbarland, berichten mir meine Freunde immer wieder von Verhaftungen und Schikanen durch die Polizei. Per Gesetz stehen homosexuelle Akte in Sambia und vielen afrikanischen Ländern unter Strafe. Diese zu beweisen ist in der Praxis allerdings schwierig. In Simbabwe etwa wird Homosexualität als "Handlung, die Kontakt zwischen zwei Männern beinhaltet und von einer vernünftigen Person als unanständige Handlung angesehen wird" definiert; selbst Händchenhalten wird demnach als strafbar ausgelegt. Human Rights Watch verurteilt die verbreitete Praxis von Analuntersuchungen in afrikanischen Ländern wie Sambia, mittels derer Ärzte auf Anweisung der Polizei homosexuelle Praktiken nachzuweisen versuchen. Bei der medizinisch haltlosen Untersuchung werden Finger oder Gegenstände in den After eingeführt, um vermeintliche Beeinträchtigungen des Analtrakts festzustellen. 

Zur ganzen Strafverfolgung kommt die gesellschaftliche Ächtung hinzu: Schwule und lesbische Menschen werden von der Familie verstoßen oder finden keine Arbeit. Deswegen machen in Afrika auch nur wenige Menschen ihre Homosexualität öffentlich. Für die meisten Menschen in Afrika sei diese etwas Abartiges, Widernatürliches: Viele sehen in der Homosexualität einen Lifestyle, eine persönliche Wahl. Darum sind sie auch der Meinung, dass die Menschen geheilt werden können. Dabei spielen auch die katholische Kirche und Evangelikale, meist aus den USA, eine unrühmliche Rolle. Sie predigen eben diese Rhetorik. Für sie sei Homosexualität gegen Gott und das Christentum, und der Glaube biete Erlösung für die Sünder.

Doch es gibt auch gegenläufige Tendenzen. So haben einige afrikanische Länder Homosexualität in den letzten Jahren entkriminalisiert. Gerade in urbanen Gebieten und besser ausgebildeten Schichten gebe es mittlerweile eine Tendenz, sexuellen Minderheiten offener zu begegnen.

In Südafrika steht ein Diskriminierungsverbot von Homosexuellen sogar in der Verfassung. Dies gehe auf die leidvollen Erfahrungen unter dem Apartheid-Regime zurück. Die Einsicht, dass niemand – unabhängig von Hautfarbe, Religionszugehörigkeit oder sexueller Orientierung – diskriminiert werden dürfe, habe sich durchgesetzt.

Umso mehr fragen sich meine Freunde, weshalb ich nun grad in solche Länder reisen möchte. Ich habe während meines beruflichen Aufenthaltes in Simbabwe und Sambia einige schwule Freunde kennen lernen dürfen. Diese Freunde haben sich vor Jahren Organisationen angeschlossen, die gegen Diskriminierung von Schwulen und Lesben kämpfen. Denen ist es inzwischen möglich, in Schulen und Universitäten in Form eines Referates zu zeigen, was es heißt, schwul zu sein. Sie haben mich um Unterstützung gebeten. Ich möchte doch in diesen Universitäten über mein schwules Leben in Europa erzählen. Wie schön es sein kann, offen schwul leben zu dürfen, Menschen zu lieben - egal welcher Religion, Hautfarbe oder Geschlechts. Dass es eine Selbstverständlichkeit sein muss, schwule Internetseiten betreiben zu können. Ich möchte ihnen anhand eines Diavortrages Bilder von unseren Regenbogenparaden zeigen. Ihnen dabei erklären, dass es Sinn macht, jeden Widerstand anzukämpfen. Viele meiner schwulen Freunde in Sambia und Simbabwe sind Familienväter, müssen Kinder zeugen, gegen ihren Willen - weil dies so Tradition ist. Auch um nicht als Schwuler geoutet und somit bestraft werden zu können. Wenn ich nur einen kleinen Teil dazu beitragen kann, macht es mich stolz und glücklich. Ein lieber Freund, David (32) aus Chinhoyi, möchte so gerne seinen Blog über sein schwules Leben öffentlich zeigen. Seine Plattform würde Plätze zeigen, wo sich Gays treffen und austauschen können. Würde er dies machen drohen ihm lange Haftstrafen. 

Unterstützung mit meinem Vorhaben bekomme ich von meinem Mann, meiner Familie und meinen Freunden. Es wird bestimmt ein großes Abenteuer, eine Herausforderung -  dem ich mich gerne stellen möchte. Ich werde in dieser Zeit auch all meine damaligen Arbeitskollegen und Freunde besuchen. Begleite mich auf meiner Reise in diesem Blog. Begleite mich in die Universitäten, zu meinen Freunden, zu den Victoria Wasserfällen, ... Lerne mit mir die Leute, die Küche die Traditionen, aber auch den Kampf gegen die Diskriminierung kennen. Ich freue mich schon so sehr darauf.

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Kommentare: 1
  • #1

    Patrick (Montag, 22 April 2019 12:16)

    Tolle Sache. Bin begeistert von deinem schwulen Blog. Macht Spaß immer wieder zurückzukehren. LG, Patrick