· 

QUEER - altes Wort ganz neu.

Hallo und liebe Grüße. Schön dass du wieder bei meinem Blog gelandet bist. In der "Szene" kommt immer wieder das Wort QUEER zum Vorschein. Doch was hat Queer mit der LGBTQ-Community zu tun? Das Wort Queer zeigt: Auch alte Wörter können neu sein. Je nachdem, aus wessen Mund sie gesprochen werden. Die Welt verändert sich ständig, die Sprache folgt ihr und verändert sich mit. Neue Wörter entstehen: "Migrationshintergrund" ist so ein junges Wort, "Balkanroute" und "Willkommenskultur", "Brexit" und "alternativlos" sind weitere Beispiele. Was die Gesellschaft umtreibt, das benennt sie. Wörter sollen informativ sein, nicht schön. Sie sollen eine Bedeutung haben, die ein anderes Wort nicht hat. "Queer" ist so ein Wort.

Das Wort "Queer" wurde im englischen Sprachraum – ebenso wie das Wort schwul im deutschen – als Schimpfwort gebraucht, mit dem vornehmlich Schwule, aber auch andere, die von den heteronormativen Regeln abweichen, bedacht wurden. Im Laufe der Zeit gelang es den so Bezeichneten jedoch, das Wort im öffentlichen Diskurs einer Neubewertung zu unterziehen, politisch positiv zu besetzen und als sogenanntes Geusenwort zu benutzen. Queer steht heute sowohl für die gesamte Bewegung als auch für die einzelnen ihr angehörenden Personen. Es ist eine Art Sammelbecken, in dem sich außer Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Intersexuellen, Transgendern, Pansexuellen, Asexuellen und BDSMlern auch heterosexuelle Menschen, welche Polyamorie praktizieren, und viele mehr finden lassen. 

Zum Geusenwort wird ein abwertendes und beleidigendes Wort, wenn die Abgewerteten und Beleidigten dieses Wort als ihres annehmen. Queer, aber auch Hure ist zum Beispiel so ein Wort. Irgendwann begannen Prostituierte, sich selbst Hure zu nennen. Die Beleidigten drehten den Spieß um: Sie verwendeten den auf sie gemünzten abwertenden Begriff mit Stolz und Selbstbewusstsein. Dies veränderte das Wort, denn es ist nie gleichgültig, wer es ausspricht. Eine Frau, die sich selbst "Schlampe" oder "Bitch" nennt, sagt etwas anderes damit als jemand, der diese Worte verwendet, um diese Frau abzuwerten oder zu beleidigen. Für die Beleidigten und Erniedrigten ist die Verwendung des Geusenwortes gemeinschaftsstiftend, weil es auf ein gemeinsames Schicksal hinweist. Und so ist es wohl auch mit dem Wort Queer.

Queer ist Ausdruck eines Selbstbewusstseins geworden, das sich an die Herabsetzung noch erinnern kann, sie aber in diesem Wort überwunden hat. Die Verwendung von queer zeigt Souveränität. Die Verwendung von queer ist nicht mehr nur Abweichung von der Norm, sondern schon Infragestellung der Norm an sich. Und damit ist auch das weitere Schicksal von queer vorgezeichnet: Je weniger sich die Gesellschaft in die höchstpersönlichen Dinge einmischt, desto geringer ist der Bedarf nach einem Wort wie queer; wenn es einen normierenden Mainstream nicht mehr gibt, braucht niemand mehr sein Leben als queer bezeichnen, nicht aus Stolz, nicht aus Trotz und nicht aus Resignation. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0