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Mein Nachbar hat sich in mich verliebt

Hallo und liebe Grüße. Schön dass du wieder zu meinen Blog gefunden hast. Ich weiß gar nicht so recht, in welche Kategorie ich diesen Beitrag stellen soll. In die Kategorie "Persönliches", weil es doch eine persönliche Geschichte ist, oder doch in die Kategorie "Queeres", weil es sich um meinen ehemaligen Nachbarn handelt, der zumindest bi sein muss und der Beitrag so in dieser Kategorie besser aufgehoben ist. Eigentlich finde ich die ganze Geschichte ein wenig suspekt, aber es ist mir tatsächlich vor mehr als 10 Jahren passiert. Was ist geschehen? Ich denke, mein Nachbar, der mit einer Frau verheiratet ist und ein Kind hat, hat sich in mich verliebt. Ich habe von solchen Fällen schon gehört, dass ein verheirateter Mann sich in einen Mann verliebt, doch ist es jetzt tatsächlich auch mir passiert?! Ihr stellt euch berechtigt die Frage, wie ich auf sowas komme. Das ist einfach erklärt: Er schreibt mir Briefe, wie man sie nur Personen schreibt, welche man tatsächlich liebt. Er vertraut mir Dinge aus seinem Leben an, die man nur seinem Partner oder den besten Freunden anvertrauen kann, gewiss nicht seinem Nachbarn. Er spricht von Wünschen, die mir den letzten Zweifel genommen haben. Ich konnte auch zunehmend spüren, wie er immer mehr meine Nähe suchte. Er besuchte mich regelmäßig und wir verbrachten Stunden in meiner Wohnung. Seine Wohnung habe ich immer gemieden. Sein Interesse an meinem Leben wurde immer größer, er wollte immer mehr über das "Schwulsein" wissen. "Wie ist das so?", habe ich nicht nur einmal gehört. Er wollte wissen, auf welchen Typ Mann ich stehe und ob er mein Typ wäre.

Zu Beginn fand ich das alles spannend und schön. Ich fühlte mich geehrt, da er ja irgendwie ein schöner Mann ist. Er ist groß und muskulös, hat ein kleines Tattoo, dunkle kurze Haare und machte viel Sport. Er ist eigentlich auch recht intelligent und ganz nett. Kurzum, er ist ein gut aussehender Mann den man nicht von der Bettkante schupsen würde. Viele würden sogar sagen, er ist DER Traummann. Jedoch kam mit der Zeit sein wahres Gesicht zum Vorschein. Er lebte in einer ganz eigenen Welt, war anders als andere. Man konnte ihn irgendwie nicht einschätzen - ist er gut oder böse. Schnell stellte sich heraus, etwas stimmte nicht mit ihm. Er war so eine Art Jekyll und Hyde. Mal war er der Nette, dann war er wieder mal der Seltsame. Sein Verhalten war wie sein Sexleben. Mal wollte er wahrscheinlich einen Mann, mal wieder seine Frau. Mein Lebenspartner mochte ihn nie. Er meinte nur: "Du warst doch immer schon das Auffangbecken von solch frustrierten und komischen Typen". Und ja, ich glaube, er hatte auch diesmal tatsächlich wieder einmal Recht behalten. Die Briefe vom Nachbarn wurden immer intensiver. Jeder Mann, auch ich, würden sich geschmeichelt fühlen, sowas von einem Hetero zu lesen. Doch die andere Seite von ihm war mir suspekt, es klingte alles schon fast ein wenig gefährlich. Wenn ich ihn fragte, ob er bisexuell sei, wurde dies immer verneint. 

In seiner Anwesenheit fühlte man sich von Zeit zu Zeit nicht mehr wohl. Es war nicht mehr so, wie zu Beginn. Er hatte schöne Augen, doch wenn man ihn besser kennen lernte, führten seine Blicke nur mehr ins Leere. Wir, mein Lebenspartner und ich, sind ausgezogen, haben die Wohnung gewechselt. Nicht wegen ihm, eine berufliche Veränderung war der Grund. Jedoch kam uns das sehr gelegen. Ich habe daraus wieder etwas gelernt: Hinter jedem Jekyll steckt auch ein Hyde. Ich habe tatsächlich immer wieder das Glück (*Ironie) und ziehe solche seltsamen Typen an. Leider hat es durch seine Veränderung nicht einmal mehr für eine Freundschaft gereicht, irgendwie hätte ich es mir gewünscht. Hattest du auch schon solche, oder so ähnliche Erlebnisse, dann lass es mich wissen. Schreibe in den Kommentaren deine Geschichte. Ich habe von meinen Freunden erfahren, dass solche "Männerfreundschaften" gar nicht mal so selten vorkommen. 

Fotos: Meine Männerwelt (vom Spaziergang an der Donau in Wien)

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Kommentare: 3
  • #1

    Michael (Samstag, 17 November 2018 11:21)

    Ich werde verrückt. So eine ähnliche Situation hatte ich vor vielen Jahren. Mein schwuler Nachbar hat erfahren dass ich schwul bin und verliebte sich in mich. Ich bin jedoch mit meinem Mann liiert. Er hatte auch einen Mann. Er wollte unbedingt eine Sexbekanntschaft aufbauen. Es müsse der partner ja nicht erfahren. Ist ein klein wenig anders als bei dir, dein Nachbar war angeblich hetero, aber in diesem Beitrag kommen diese Erinnerungen hoch. Bei uns war es jeodhc so, dass sich das Paar getrennt hatte und sie sich die Wohnung nicht mehr leisten konnten. So sind beide getrennt in eine kleinere Wohnung gezogen. Was ich damit sagen möchte, so was kann am Anfang sehr spannend sein, ist schlussendlich nur mit Stress verbunden. Der Typ von dir scheint aber so und so ein komischer Kauz zu sein. Hoffentlich hast du jetzt deine Ruhe. Das mit dem Auffangbecken für Frustrierte kenne ich. Bin auch so ein Magnet dafür.
    TOLLER BLOG!!!

  • #2

    Christian aus Linz (Samstag, 17 November 2018 21:05)

    Interessanter Beitrag. Bei mir war es so ungefähr. Nachbar von der Türe gegenüber erfuhr dass ich Gay bin. Wollte immer wieder mal auf ein Bier gehen. Er war jedoch gar nicht mein Typ. Habe ich immer abblitzen lassen. Er hat mich darauf hin mal angesprochen. Ich habe ihm erzählt dass ich kein Interesse habe und er gar nicht mein Typ sei. Seitdem kein Gruß seinerseits. Besser so für mich. Kann mich Michael nur anschließen, schöner Blog. Lg aus Linz

  • #3

    Holger aus Hollenstedt/D (Donnerstag, 22 November 2018 08:20)

    Ich kenne so etwas. Mein Nachbar, Hetero mit Frau und zwei Kindern, hat erfahren, dass ich schwul bin. Seither sucht er mehr Kontakt zu mir. Als seine Frau mit Kindern bei ihren Eltern waren, lud er mich auf ein Bier in seinen Garten ein. Da begann schon die Fragestunde in Bezug auf Schwulsein und so. Bis die Frage kam, könntest du es dir vorstellen, mit mir zu machen. Ich nahm ihn zu mir und haben es getrieben. Schlussendlich wurde der Kontakt bzw. seine Anhänglichkeit dann so nervig, dass ich einen Schlussstrich machen musste.