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Wie aus Nachbarn (m/m) Männerliebe entsteht

Hallo und liebe Grüße. Schön dass du wieder zu meinen Blog gefunden hast. Eigentlich finde ich die ganze Geschichte ein wenig spannend, knisternd und auch suspekt, aber es ist mir so tatsächlich passiert. Was ist geschehen? Ich denke, mein (Hetero-)Nachbar hat sich in mich verliebt. Ich habe von solchen Fällen schon gehört, dass ein verheirateter Mann sich in einen anderen Mann verliebt. Wenn es aber noch der Nachbar ist, dann kann das ganz schön kompliziert werden. Ihr stellt euch berechtigt die Frage, wie ich auf solch einen Schwachsinn komme. Das ist gar nicht mal so einfach zu erklären. Mein Nachbar, ein ziemlich fescher großer und tätowierter Mann hat festgestellt, dass nebenan ein Männerpärchen, also ich mit meinem Mann, eingezogen ist. Wir wohnen Tür an Tür, selbst der Balkon wird nur durch eine dünne Sichtschutz-Glaswand voneinander getrennt. Die Wohnung befindet sich in einem Mehrparteienhaus im Zentrum von Wien. Öffne ich die Balkontüre, so kann mein Nachbar durch das Quietschen der Türe feststellen, dass ich mich auf dem Weg zum Balkon bewege. Durch das verschwommene Glas sind selbst die Konturen der Personen leicht erkennbar. Immer wenn ich am Balkon war, hörte ich ein Öffnen seiner Balkontüre und die Gespräche nahmen durch die Glaswand seinen Lauf. Sie wurden von Woche zu Woche, von Monaten zu Monaten immer intensiver. "Wie toll er es findet, dass Schwule nebenan eingezogen sind", hat er nicht nur einmal erwähnt. Wie machen es die Schwulen? Auf welchen Typ Mann stehe ich? Solche und so ähnliche Fragen wurden immer häufiger gestellt. Ich darf noch hinzu fügen, er lebt mit einer Frau zusammen, sie haben mittlerweile ein gemeinsames Kind. 

Ich fand die Gespräche ganz spannend und interessant, ist er ja ein fescher Mann. Ich beantwortete seine Fragen gerne, dachte ich doch, vielleicht wolle er sein Wissen über das Leben schwuler Männer erweitern. Meine an seine Person gerichteten Fragen waren für ihn wohl etwas zu langweilig: Was machst du so beruflich? Welche Hobbies hast du? Was man eben so unter Nachbarn fragt. Er ist Freiberufler, was immer das auch heißen mag. Inzwischen habe ich feststellen dürfen, dass seine Art der Arbeit in eine mir fremde Richtung ging. Ich hackte da auch gar nicht weiter nach. An irgendeinem heißen Sommertag, ich saß nur mit einer Badehose auf dem Balkon, fragte er mich, ob ich nackt sei? Ich habe dies verneint. "Nein, eine Badehose habe ich schon an," waren meine Worte und lächelte dabei. "Das ist gut, darf ich zu dir rüber auf den Balkon?" Ich antwortete mit leiser und langsamer Stimme: "Ja klar." Kurze Zeit später läutete es an meiner Wohnungstüre. Er stand da mit einer Flasche eisgekühltem Sekt und zwei Gläsern. Wir gingen damit gemeinsam auf meinen Balkon. Dann meinte er: "Wir kennen uns ja schon so viele Wochen, darf ich dir meine Freundschaft anbieten?" Ich habe da nichts dagegen, und er drückte meinen nackten Oberkörper an seine breite Schulter. Man, das war schon irgendwie geil. "Darauf möchte ich mit dir anstoßen", sagte er. Die Freude über die neue Freundschaft dürfte seinerseits sehr groß sein. Ob er am Balkon rauchen darf und ob ich auch rauche, wurde ich gefragt. Nein, ich rauche nicht, aber er darf sich gerne eine anzünden. Schon bemerkte ich, es war keine übliche Zigarette, der süßliche, nicht unangenehme Duft kannte ich von irgendwoher. Ob ich auch dran ziehen möchte, wurde ich als nächstes gefragt. "Danke, sehr lieb von dir, aber ich muss noch zur Arbeit." war meine Antwort, die zu diesem Zeitpunkt gelogen war. 

Er plauderte und plauderte, ich konnte gar nicht mehr alles aufnehmen. Die Themensprünge waren derart groß, das packt mein Hirn nicht mehr. Nach langen Gesprächen machen meine Ohren einfach dicht. Doch plötzlich: "Du weißt ja, ich bin mit einer Frau zusammen, finde aber, dass du sowas von nett, hübsch und sympathisch bist." Das habe ich wieder voll vernommen. Wer hört sowas nicht gerne von einem Hetero? Auch ich wurde offener und meinte zu ihm: "Bist ja auch ein ganz Fescher und Lieber." "Endlich haben wir mal einen tollen Nachbarn, der dazu noch gut aussieht", waren meine Worte. Irgendwie sind wir dann auf das Thema Urlaube gekommen. Er habe schon Jahre keinen Urlaub mehr gemacht. Ja, so ist es auch bei mir. Durch meine Haustiere können mein Mann und ich auch nie gemeinsam wegfahren, und alleine ist es mir dann doch zu fad, sagte ich zu ihm. Dann kam von ihm die Idee: "Dann machen wir doch gemeinsam einen Urlaub," fügte aber gleich hinzu: "Wenn es dein Mann erlaubt." Ich fand die Idee ja gar nicht mal so schlecht. Er lebt mit einer Frau zusammen, also kann da nichts passieren. Dass er es mal mit einem Mann ausprobieren möchte, das sind bestimmt wieder nur so meine Phantasie-Vorstellungen, wie man sie eben gerne hätte. Ich war Jahre schon nicht mehr weg, also was soll uns daran hindern. Ich habe ihm gesagt, dass ich aber ein Einzelzimmer möchte, da ich nur nackt schlafe. Selbst das Nacktschlafen war für ihn kein Problem. Doppelzimmer seien günstiger, waren seine Worte. Es wurde Abend und er machte sich, nach weiteren langen Gesprächen, wieder auf den Weg zu seiner Wohnung. Gut eine Woche später sprach er mich im Treppenhaus wegen dem Urlaub an: "Du, ich habe mit meiner Freundin gesprochen, sie hat nichts dagegen. Wir können gerne fliegen!" Ehrlich gesagt, ich habe daran gar nicht mehr gedacht, aber gut, dann buchen wir. Das Ziel stand auch schnell fest - Gran Canaria. Kurzum, bevor der Beitrag zu lange wird, der Urlaub war da und er gestand mir nach einer Bar-Tour im Yumbo-Center, dass er immer mehr nach meiner Nähe suche. Ich würde ihn so gut verstehen, ich höre ihm zu, er mag mich und meinen Körper, mit mir kann man so gut reden, ... Schöne Worte von einem Hetero, aber ich denke, die vielen Joints, die Sonne und der Alkohol an der Bar haben auch etwas dazu beigetragen.

Nein, im Urlaub ist nichts passiert! Ich habe ihm erklärt, dass das nicht geht und dass jede Art von Sex unsere Freundschaft kaputt machen würde. Das hat er akzeptiert. Jetzt im Nachhinein dürfte er darüber recht froh sein. Wir verreisen jetzt öfters miteinander, nehmen dabei immer ein Doppelzimmer und wenn es uns danach ist, blödeln wir im Bett was das Zeug hält. Inzwischen schläft auch er nackt neben mir, so wie jeder in seinen eigenen vier Wänden daheim in Wien - ohne Hintergedanken. Wir knuddeln uns, wenn es uns danach ist. Die Freundschaft ist gewachsen, die freundschaftliche Liebe unter Männer auch. Ja, es funktioniert eine freundschaftliche Männerliebe zwischen Hetero und Gay. Zum Glück habe ich beim ersten Urlaub richtig gehandelt! Ob es mir schwer gefallen ist? Fragt mich nicht! Dieses Erlebnis liegt zwar schon ein paar Jahre zurück, die Freundschaft hält bis heute, auch die Reisen finden heute noch statt. Mein Mann hat nichts dagegen, da auch er jährlich einmal ohne mich eine Reise mit seinen Freunden und Arbeitskollegen unternimmt. Diese Freiheiten geben wir uns. Ja, mein Mann und ich verreisen auch gemeinsam. Wenn wir keine Haustiere mehr haben, sind wir zwei bestimmt öfters wieder gemeinsam unterwegs. So muss bzw. darf immer einer von uns das Heim bzw. das Haustier betreuen.

Bilder: Pixabay, mengaypics, Meine Männerwelt

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