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Urlaub zur Hauptreisezeit verbinde ich mit Stress

Ich freue mich sehr, dich wieder bei meinem Blog begrüßen zu dürfen. Ich bin was Reisen anbelangt wahrscheinlich ein seltsames Individuum. Und zwar in mehrfacher Hinsicht. Es fängt schon damit an: Wenn ich an "Sommerurlaub" und ans "Verreisen" denke, fällt mir der Urlaub am Meer wahrscheinlich als allerletztes ein. Ich kann schlicht nicht nachvollziehen, was daran erstrebenswert sein soll, in einer Panier aus Sonnenmilch, Sand, Salz, Chlorwasser und Schweiß an einem überfüllten Strand in der Sonne zu braten. Oder warum ich Hunderte - gar Tausende von Kilometern zurücklegen soll, um mein Dasein auf einer Liege unter einem Sonnenschirm zu fristen - das zur Hauptreisezeit in den Monaten Juni bis August. Ist das nicht unangenehm, ist das nicht fad? Ich werde es wohl nie wissen. Warum ich diese Freuden nicht nachvollziehen kann? Einerseits, weil ich, wenn ich schon ein paar Stunden im Auto, im Flugzeug oder auf Schiene verbringe, zumindest ein bisschen was von dem Ort mitbekommen möchte, an den ich mich begeben hab. Ich möchte bei meinen Reisen immer die Menschen, die Küche und Kulturen kennen lernen. Ein wenig über die Geschichte erfahren. Andererseits, weil es mir noch nie so richtig eingegangen ist, warum man zum Badeurlaub an einen Touristenstrand fährt, wenn man alteingesessene Sommerfrische-Destinationen direkt vor der Nase hat. Vielleicht ist dies darin begründet, dass ich am Bodensee aufgewachsen bin und jetzt die wunderschönen Gewässer an der Donauinsel vor der Türe habe, die ständig zum Baden verfügbar sind und Trinkwasserqualität haben und an dem ich genug Fleckchen kenne, an denen man „den Leuten“ auch im Hochsommer recht gut auskommt. 

Oder ich bin einfach nur fehlgeprägt, weil ich die Gnaden des Badeurlaubs nicht zu schätzen weiß? Mittlerweile erspare ich mir den Stress in der Hauptreisezeit. Ernsthaft: Man sieht doch zu keiner Zeit so viele Menschen auf einem Haufen, als in der Zeit, wo alle meinen, Urlaub machen zu müssen. Und nachdem ich Menschenmassen, deren Teil man ja auch selber ist, ebenso scheue wie Lärm, ist solch eine Reise für mich eine, naja, nicht ganz so angenehme: ewiges Anstehen vor Museen, Hotelbuffets, Flughafenschalter und Sehenswürdigkeiten, so viel Gedränge auf den berühmten Straßen und Gassen, Einkaufszentren, dass selbst die Statuen für kleine Menschen schier unsichtbar werden. Die ewige Suche nach freien Kaffeehaustischen und dann keine ruhige Minute, in der man nicht von einer Reisegruppe umgerannt wird. Wenn man das alles mehrmals miterlebt hat, dann macht man sich doch tatsächlich Gedanken: Warum machen wir eigentlich immer wieder den Fehler, in der Hauptsaison zu verreisen, wenn wir doch jede Gelegenheit hätten, unsere Urlaubszeit in die Off-Season zu verlegen? 

Fliegt man im Oktober nach Gran Canaria, entgeht man in Wien dem nasskalten diesigen Wetter und genießt vor Ort einen warmen Sommertag. Am Strand bekommt man zu jeder Tageszeit seine Liege - so macht Urlaub Spaß. Fährt man im März nach Hamburg, kann man in Ruhe den Sonnenuntergang an den Landungsbrücken sehen und die Miniaturwelten ohne Gedränge genießen. Im Jänner lassen sich die wunderbarsten Fotos am menschenleeren Markusplatz im venezianischen Abendnebel machen. Und begibt man sich im November nach Paris, ist sogar am Eiffelturm etwas weniger los. Und im Sommer? Da gibt es weiterhin die Donauinsel und Balkonien, nahe Ausflugsziele und Urlaub daheim. Oder kleine, nahe Reiseziele, die nicht die Aura von Rom, Paris und Mailand besitzen, dafür auf ihre eigene Art charmant und sehenswert sind. Klar, die antizyklische Urlaubsoption besteht nicht für Lehrerinnen und Lehrer oder Eltern mit schulpflichtigen Kindern. Da ich mich aber in der glücklichen Lage befinde, werde ich sie wahrnehmen und möchte sie nicht mehr missen. Übrigens, im Mai bin ich im wunderschönen Ländle (Vorarlberg) und werde die Fortschritte vom Aufbau der größten Seebühne der Welt besichtigen, nette Menschen treffen und die Vorarlberger Küche genießen.

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