· 

Homosexualität in Botswana nicht mehr strafbar

Dass ich ein großer Afrika-Fan bin, habe ich im Blog schon öfters erwähnt. Nicht umsonst war ich schon öfters in Ländern wie Simbabwe und Sambia. 2020 werde ich wieder in diese Länder reisen. Was meine zwei oben genannten Lieblingsländer noch nicht geschafft haben, ist nun endlich im Nachbarland Botswana Wirklichkeit geworden. In Botswana ist Homosexualität fortan legal. Nicht nur, dass in mehr als der Hälfte der afrikanischen Staaten Homosexualität verboten ist, die Verfolgung nimmt noch eher zu. Bisher konnten in Botswana im südlichen Afrika gleichgeschlechtliche Beziehungen mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft werden. Etwa 25 Länder südlich der Sahara kriminalisieren Schwule und Lesben, in einigen Ländern wie dem Sudan oder Mauretanien droht sogar die Todesstrafe. Gerade vor einem Monat beriet das Oberste Gericht in Kenya über die Legalisierung, entschied sich dann aber, das Verbot beizubehalten. Für eine Entkriminalisierung votierte hingegen Angola vor vier Monaten. Das Oberste Gericht ging dort sogar so weit, fortan jegliche Diskriminierung von Homosexuellen unter Strafe zu stellen. Bisher war es Südafrika, das diesbezüglich über die liberalste Gesetzgebung verfügte. Demnächst wird vermutlich auch Namibia, ebenfalls im südlichen Afrika gelegen, die Kriminalisierung abschaffen.

Strenge Strafen kennen in Afrika vor allem islamisch geprägte Staaten, aber auch christliche wie Uganda. Dort sind es oft die evangelikalen Kirchen, die sich den Kampf gegen «widernatürliche Praktiken» auf die Fahne schreiben. Einen allgemeinen Trend auszumachen, ist schwierig, weil es parallel zur Liberalisierung in einigen Staaten auch gegenläufige Tendenzen gibt, die mit dem Vormarsch von rigiden Formen des Islams zu tun haben, mit christlich-fundamentalistischen Predigern, mit populistischen Politikern und mit antiwestlichen Reflexen.

Während homophobe Politiker wie Simbabwes ehemaliger Präsident Robert Mugabe oder Ugandas Präsident Yoweri Museveni gerne behaupteten, es gebe keine Schwulen in Afrika und Homosexualität sei eine Art dekadentes Importprodukt aus dem Westen, hat das Gericht in Botswana genau umgekehrt – und vermutlich historisch korrekter – argumentiert. Es ließ nämlich verlauten, das Verbot der gleichgeschlechtlichen Liebe sei ein Relikt der Viktorianischen Ära. Tatsächlich spricht vieles dafür, dass die afrikanischen Gesellschaften in vorkolonialen Zeiten einen recht toleranten Umgang mit Homosexualität pflegten.

In Botswana war es ein homosexueller Mann gewesen, der Öffentlichkeit nur unter den Initialen L. M. bekannt, der die Gleichberechtigung vor Gericht einforderte. Es war allerdings schon seit ein paar Jahren eine gewisse Entspannung in dieser Frage spürbar. 2016 wurde nach einem juristischen Tauziehen die Organisation Legabibo («Lesbians, Gays and Bisexuals of Botswana») offiziell zugelassen, ein Jahr später konnten Transsexuelle ihr eingetragenes Geschlecht ändern lassen. Auch nahmen die Strafen wegen Homosexualität fortlaufend ab. Letztes Jahr sagte der Präsident Mokgweetsi Masisi in einer Rede, er bedauere, dass viele Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung angegriffen würden und im Stillen leiden müssten. In Botswana, einem der demokratischsten Staaten Afrikas, spielte aber vermutlich auch der Faktor Aids eine Rolle. Forscher stellten fest, dass in Ländern mit besonders hohen HIV-Raten die Modernisierung in sexuellen Fragen oft stärker vorangetrieben wurde, weil die Bevölkerung gezwungen war, öffentlich, aber auch privat über Ansteckungswege, Homosexualität und Safer Sex zu diskutieren. Botswana hat mit 22 Prozent eine der höchsten HIV-Raten weltweit. Es ist kein Zufall, dass Länder wie Südafrika, Namibia und Botswana, die besonders unter der Epidemie litten, heute einen relativ offenen Umgang mit sexuellen Themen pflegen. Die Hoffnung wächst, dass auch andere afrikanischen Länder Botswana folgen. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0