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Grindr, Gayromeo und Co

Hallo und ganz liebe Grüße aus meiner Heimatstadt Wien. Seit dem Bestehen meines Blogs bin ich doch tatsächlich wieder mehr in der Szene unterwegs. Nicht nur in Wien, auch in Hamburg, München und in ländlichen Gebieten. Ich suche immer wieder das Gespräch mit den Besitzern, Betreibern und Geschäftsführern von Bars, Restaurants, Saunen, Clubs, Pensionen und Kinos. Bei den Gesprächen habe ich festgestellt, und dabei sind sich alle einig, der Kampf ums Überleben wird immer schwieriger. Traf man sich früher in Kneipen, Bars, Cafes, Saunen, ... um Männer kennen zu lernen, bieten Grindr, Planetromeo (Gayromeo) und Co wohl einen guten Ersatz. Die Bequemlichkeit hat gesiegt!  Was ich bei den zahlreichen Gesprächen aber noch herausgehört habe, entsetzt mich umso mehr. Es gibt in manchen Städten, aber auch schon am Land, doch tatsächlich eine Art, ich nenne es mal ganz frech, Schwulen-Mafia. Dieses von mir erwähnte Wort hat allen sehr gut gefallen, weil es auch tatsächlich zutreffen würde. Deren Aufgabe ist es, andere Betriebe zu vernichten. So ganz nach dem Motto: Jeder gegen Jeden. 

Wenn ich nachfrage, wie so eine Schwulen-Mafia agiert, bekomme ich querdurch die selben Antworten. Freunde von schwulen Betrieben, leider auch schon die Betreiber selbst, stellen gerne mal für die Konkurrenz eine Negativ-Bewertung auf den zahlreichen Bewertungsportalen online.  Dass ich ein Gegner von solchen Bewertungsportalen bin, wissen meine Freunde schon seit Jahren. Mundpropaganda und Selbsterfahrungen sammeln haben keinen Stellenwert mehr. Man hört nur mehr auf Unbekannte, Laien, Frustrierte oder auf Menschen, die mit Allem und Alles unzufrieden sind. Solche Bewertungsportale können sehr viel zerstören, mehr als einem lieb ist. Man wird herablassend, unverschämt und beleidigend. Schnell werden Dinge erfunden oder in den Raum gestellt, wo so nicht der Wahrheit entsprechen. Ob die Personen die Erfahrungen tatsächlich gesammelt haben, steht in den Sternen. Übrigens, dieses Phänomen gilt bei alle Branchen. Man bemüht sich, investiert viel Zeit und Geld, zu guter Letzt steht einer Schließung nichts mehr im Wege - Dank sei den Online-Bewertungen, Gayromeo, Grindr und Co.  Dann heißt es schon mal: Wegen Krankheit für immer geschlossen. Ich selbst kenne drei solcher Schließungen innerhalb weniger Jahre. Die Macht des Internets hat gesiegt.

Man muss sich ernsthaft die Frage stellen dürfen, sind wir nicht selbst schuld, dass man bald nirgends mehr auf ein Bier, ein Essen oder ein Treffen unter Gleichgesinnten gehen kann? Besteht bald die Gefahr, dass man bald nicht mehr von einem Lokal in das Nächste ziehen kann, um nette Gleichgesinnte jeden Alters, jeder Nationalität, treffen zu können? Tragen wir selbst Mitschuld, dass manche Gay-Pensionen in ländlichen Gegenden geschlossen werden und das Wandern unter Gleichgesinnten, der gemütliche Zusammenhock am Lagerfeuer, verschwindet? Möchte man nicht für noch längere Zeit in einem schwulen Cafe ein mitgebrachtes Buch oder die Zeitungen lesen können, dabei Augenkontakt mit Gleichgesinnten aufnehmen. Konkurrenz schadet nicht, es hilft sich selbst zu überleben. Konkurrenz belebt die Stadt und macht das Nachtleben attraktiv. Man bekommt wieder Freude loszuziehen - von einer Kneipe in die Nächste. Es zahlt sich auch wieder aus, weitere Fahrten in Kauf zu nehmen, weil es mehr als nur eine Kneipe in der näheren Umgebung gibt. Mir wurde klar, nicht nur Gayromeo und Grindr haben Schuld am Aussterben mancher Betriebe.

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Kommentare: 15
  • #1

    Martin (Samstag, 29 Dezember 2018 11:19)

    Konkurrenz belebt das Geschäft, dieses Sprichwort gilt immer weniger. Der Mensch ist verfressen von Neid, Gier und Egoismus. Ich kann auf die Schnelle viele Betriebe aufzählen, die wegen Missgunst anderer, Habgier und Neid das eigene Geschäft aufgeben mussten. Hat man erst einmal geschlossen, kommt das große Jammern. So schade, heißt es immer wieder. Aber selbst dazu beitragen, dass ein Lokal existieren kann, dass will man dann selbst nicht. Grad in der Gayszene ist die Gier und Hinterlist ein großes Thema. Nicht nur in Städten. Danke, dass du mit diesem Artikel so manchen die Augen geöffnet hast (oder auch nicht).

  • #2

    Poppersfan (Samstag, 29 Dezember 2018 12:56)

    Komplett deiner Meinung. Obwohl ich selbst auf Bewertungsportalen mich erkundige, doch kann man diesen Bewertungen auch Glauben schenken? Bestimmt nicht zu 100%. Man sollte mehr auf Eigeninitiative, komplett unvoreingenommen einem neuen Betrieb die Chance geben. Ich kenne jemanden im süddeutschen Raum, der versucht, alle andere Gay-Betriebe schlecht zu reden. Sein Lokal bleibt jedoch immer leer, man hat ihn schon durchschaut.

  • #3

    Tim Linz (Samstag, 29 Dezember 2018 14:10)

    Voll bei dir! Danke für das Teilen deiner Gedankengänge. Es öffnet bestimmt vielen die Augen. Auch mir.
    Wunderschöner BLOG!!!

  • #4

    hubert (Samstag, 29 Dezember 2018 16:07)

    Ich bin gar nicht deiner Meinung, sondern sehe das viel positiver. Natürlich hat das Internet dazu beigetragen, dass rein schwule Treffpunkte nicht mehr so gefragt sind. Aber die von dir so genannte Schwulen-Mafia hat es schon immer gegeben, die ist sicher nicht am Lokalsterben schuld. Wien war schon immer ein schwieriges Pflaster für die Gay-Szene, aber ich glaube der Hauptgrund ist jetzt, dass bei den jungen einfach das Bedürfnis in rein schwule Lokale zu gehen, nicht mehr so groß ist, weil die Akzeptanz gegenüber Schwulen größer geworden ist und man auch in "normalen" Lokalen Schwule kennenlernen kann.

  • #5

    Michi (Samstag, 29 Dezember 2018 16:32)

    @hubert, ich bin da fast bei dir. Ich musste jedoch selbst feststellen, dass dieser Konkurrenzkampf im ländlichen Bereich statt findet. Ein Besitzer einer dubiosen Gay-Pension in Bayern versuchte öffentlich eine nette Gay-Pension schlecht zu reden. Dahinter kann nur Neid stecken, denn seine Pension ist immer leer. Etwas Wahres steckt also doch hinter diesem Blogartikel. Aber du hast recht, die junge Generation besuchen nicht mehr unbedingt einschlägige Bars.

  • #6

    Paul (Samstag, 29 Dezember 2018 16:42)

    Ich stimme dem ganzen teils zu. Auch den Kommentatoren. Etwas Wahres ist bestimmt dabei. Leider gibt es aber auch viele Wirte, die einfach nichts mehr investieren (wollen) und so nicht mit der Zeit gehen. Sie machen es sich schlichtweg zu einfach, so nach dem Motto: Die Schwulen kommen schon oder Zahlen schon. Dem ist nicht mehr so. Wenn ich 600 Euro für eine Woche Gay-Pension in Bayern zahlen muss, nichts geboten wird, dann weichen viele für 800 Euro eine Woche mit Flug nach Gran Canaria aus.

  • #7

    Tschako (Samstag, 29 Dezember 2018 17:32)

    Heutzutage ist es unrentabel, nur für Gays eine Bar, Kneipe, ... zu führen. Gays sind schon überall Willkommen. Selbst in der Hotelerie gibt es schon fast überall spezielle Angebote für die Community.

  • #8

    Calmore (Samstag, 29 Dezember 2018 17:50)

    Danke erstmal für den geilen Blog. Stimme dir vollkommen zu. Kenne selbst solche Fälle. Der eine gönnt dem anderen nichts. Da bietet sich das Internet bestens an , seinem Ärger freien Lauf zu lassen. Und ja, Grindr und die ganzen Apps tragen dazu bei, dass Gays den Lokalen fern bleiben. Wenn ich als Gay jemanden kennenlernen möchte, dann gehe ich nicht in ein "normales" Cafe, Bar, ... Ich will die Personen nicht erst ausmustern: Sind die schwul oder nicht. In einem einschlägigen Lokal weiß ich was Sache ist.

  • #9

    Herbert (Samstag, 29 Dezember 2018 22:23)

    Wenn ich Schwule kennen lernen möchte, gehe ich sehr wohl in schwule Lokale. Ja, Wien ist ein besonderes Pflaster. Alt eingesessene Lokale verschwinden vom Stadtbild. Dieses Problem gibt es noch mehr
    in München. Ich kann mich an Zeiten erinnern, da waren beliebte Cafe und Bars in beiden Städten Abends proppenvoll. Jetzt herrscht fast jeden Abend gähnende Leere. Nicht wegen dem Konzept,
    dem Kaffee,... sondern weil die Leute weniger weg gehen. Ich bin auch der Meinung dass Grindr und dergleichen einen wesentlichen Teil dazu beitragen.

  • #10

    Uwe (Samstag, 29 Dezember 2018 22:33)

    ... und die Bewertungen auf bestimmten Onlineportalen. In Wien gibt es noch andere Gründe. (Hast Mail im Postfach)
    Lg Uwe

  • #11

    mcgayver (Samstag, 29 Dezember 2018 22:42)

    Ich finde diesen Konkurrenzkampf, insbesondere das gegenseitige Schlechtmachen schade - wohl was tief Österreichisches;-)? Dass das Internet die Lokale immer mehr verdrängt, habe ich von einem Skandinavier bestätigt bekommen, der ganz verwundert war, dass es in Wien noch solche Lokalitäten für Schwule gibt, wo es doch im hohen Norden bereits gang und gebe ist, sich nur noch online zu verabreden. Ich würde es schade finden, wenn diese Möglichkeit des realen Treffens verloren geht - auch wenn ich mich selbst nicht unbedingt als klassischen "Szene-Geher" bezeichnen würde.

  • #12

    Holger (Sonntag, 30 Dezember 2018 06:33)

    @hubert: Du hast geschrieben >Aber die von dir so genannte Schwulen-Mafia hat es schon immer gegeben, die ist sicher nicht am Lokalsterben schuld. <

    Ich kenne zwei Betriebe, die genau wegen solchen Fällen geschlossen haben. Man spricht zwar nicht darüber, gibt andere Gründe an, aber die Betreiber haben es so bei privaten Gesprächen bestätigt. Man verliert die Lust und Freude am Betreiben der Betriebe. Schwulen-Mafia ist vielleicht ein überspitztes Wort, ich würde solche Menschen, die so etwas machen, vielmehr als kopflose Idioten bezeichnen.

  • #13

    Holger (Sonntag, 30 Dezember 2018 06:36)

    @mcgayver: Du hast geschrieben >Ich würde es schade finden, wenn diese Möglichkeit des realen Treffens verloren geht - auch wenn ich mich selbst nicht unbedingt als klassischen "Szene-Geher" bezeichnen würde.<

    Da bin ich voll bei dir. Wie der Blogger im letzten Abschnitt beschrieben ...
    Das alles möchte ich nicht missen.

  • #14

    Kevin (Freitag, 18 Januar 2019 01:29)

    Bin durch Zufall auf dein Blog gestoßen.
    Da ich heute mal wieder auf GR beleidigt wurde und es mich doch sehr herunter gezogen hat. Bekam von jemanden 3 Bilder zugeschickt (Mittelfinger, kotzen und etwas mit sterben...) das traurige war, ich war nicht einmal auf sein Profil. Letztendlich habe ich die Person noch gemeldet. Alles lasse ich mir nicht gefallen. Beleidigungen bekomme ich zwar selten, aber geblockt, ignoriert usw immer. Viele fühlen sich schon angepisst wenn man sie tapst oder anschreibt. Es ist eine traurige Welt. Da viele ja für Toleranz kämpfen und man sie auf Dating Seiten nichtmal vorfindet..

  • #15

    Franz (Samstag, 16 Februar 2019 00:00)

    Hi Kevin da gebe ich dir recht das gleiche ist mir auch schon passiert. Ich habe jetzt als allererstes auf meiner Homepage geschrieben das meine Tapser als Kompliment und nicht als Anmache gedacht ist. Ich frag mich manchmal wie bescheuert wir eigendlich sind. Wir werden als Gay's immer noch angefeindet.Und wir haben nichts besseres zu tun uns gegenseitig schaden zu zu fügen. Und uns gegenseitig zu beleidigen oder was auch immer.