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Heute ist der "Coming out Tag"

Hallo und liebe Grüße aus Wien. Ihr habt es bestimmt schon von irgendwoher erfahren: Heute ist der Coming out Tag. Mein Coming out hatte ich sehr spät, war man in meinem Heimatbundesland Vorarlberg doch ein Exot, wenn man "anders" liebt. Ich glaube mich noch erinnern zu können, dass ich mit 25 Jahren mein Coming out hatte. Es war befreiend aber auch ein tief schneidendes Erlebnis. Habe ich doch seit diesem Tag keinen Kontakt mehr zum Vater. Meine Mutter hingegen meinte nur ganz locker: "Hoffentlich bringst du den gscheiteren Mann nach Hause". Bei der Arbeit wurde seit meinem Coming out in meiner Abwesenheit über mich gelästert, Kollegen hielten sich plötzlich von mir fern, es ist nämlich uncool, sich nach der Arbeit mit einem Schwulen abzuhängen. Dies, obwohl ich mich seit dem Coming out Tag als Mensch nicht verändert habe. Das ist jetzt über 20 Jahre her. Heutzutage denkt bzw. reagiert man "vielleicht" anders. Doch nun etwas zum heutigen Tag. Der Coming out Tag findet seit 1988 jährlich am 11. Oktober statt. 

Der wichtige Tag hat zum Ziel lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, transsexuelle, intersexuelle und queere Menschen, die sich noch im Coming out Prozess befinden, Mut zu machen und ein Zeichen gegen Homophobie und Transphobie zu setzen. Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transgender etc. sind, sofern sie persönlich bereit dazu sind, dazu aufgerufen, sich öffentlich zu zeigen, also erstmals oder erneut den sichtbaren Schritt des Coming out Prozesses zu unternehmen. Dies ist eines der besten und oft wirksames Mittel gegen Homophobie und Transphobie. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass Menschen, die LGBTs persönlich kennen, diesen Gruppen gegenüber positiver eingestellt sind. Bei den Menschen mit den größten Befürchtungen und Unbehagen handelt es sich meist um jene, die keine Menschen dieser Art persönlich kennen, manchmal auch nicht kennenlernen wollen.  Je mehr unterschiedliche Menschen LGBTs kennen, desto leichter können sie vorhandene Vorurteile über Bord werfen. Jenen, die sich noch im Coming out Prozess befinden, soll Mut gemacht werden, diesen Schritt zu wagen und zu sich selbst zu stehen, sich so anzunehmen, wie sie sind, und dadurch an Stärke zu gewinnen.

Oft wird von den Betroffenen vorgefühlt oder aufmerksam auf Bemerkungen über LGBT geachtet; die meisten offenbaren sich erstmals einem engen Freund oder einem ihrer Geschwister. Heute werden die ersten Schritte auch manchmal im Internet unternommen. Das Coming Out wird im Allgemeinen als Befreiung erlebt, weil die Notwendigkeit des Verheimlichens weg fällt und man Erfahrungen und Wünsche mit anderen teilen kann. Der wesentliche Punkt ist, der heteronormativen Bevölkerung dieses Thema näher zu bringen und sie darüber aufzuklären, warum es schwierig sein kann, sich zu outen und offen zu leben, und wie Außenstehende diesen Prozess unterstützen können. Im Gegensatz zum Christopher Street Day, Regenbogenparaden und ähnlichem werden an diesem Tag viele kleinere Aktionen von lokalen Vereinen veranstaltet. 

Fotos: Screenshot YouTube aus Daddyhunt

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Kommentare: 1
  • #1

    mcgayver (Montag, 17 Dezember 2018 21:14)

    Wäre es vermessen, sich am "Coming out"-Tag zu outen? Wohl kaum. Es gehört jedenfalls eine Portion Mut dazu. Vielleicht sollte ich mir diesen Tag für mein persönliches Coming-out vornehmen. Wobei, es hat auch schon die letzten Jahre nicht funktioniert. Es wird nie DER eine Tag der richtige sein und im Einhalten von Vorsätzen und Fristen war ich noch nie gut. Aber das Thema ewig vor mir her schieben macht auf die Dauer auch nicht glücklich. Weder mich, noch meinen Freund. Nur, was hält mich davon ab, es zu tun? Alt genug wäre ich ja. Angst vor Ablehnung (der eigenen und/oder der meines Freundes)? Angst, jemanden zu enttäuschen? Scham, Menschen, die geglaubt haben, mich zu kennen, nicht die ganze Wahrheit gesagt zu haben? Wiegesagt, es wird nie diesen einen perfekten Tag geben. Für das kommende Jahr wünsche ich mir, dass ich es schaffe. Für mich - und meinen Freund. Ich bewundere jedenfalls alle, die zu sich stehen und sich geoutet haben, möchte aber keinesfalls diejenigen verurteilen, die es - aus welchen Gründen auch immer - noch nicht getan haben bzw. nicht tun.