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Das "Coming out" bei Kollegen am Arbeitsplatz

Hallo und liebe Grüße. Schön dass du wieder zu meinem Blog gefunden hast. Vielleicht bist du zufällig hier, oder du hast gezielt auf Google nach diesem bestimmten Thema gesucht. Egal, du bist nun hier und ich hoffe, du wirst auch wieder kommen. In unserem Freundeskreis kommt immer wieder das Thema auf, ob man seinen Arbeitskollegen sagen soll, dass man schwul ist. Erst kürzlich wurde auch in einem einschlägigen Forum darüber diskutiert. Dazu habe ich eine ganz klare Meinung, die nicht mit vielen meiner Freunde übereinstimmt. Gerne würde ich jetzt dazu eure Meinung hören bzw. in den Kommentaren lesen. Vielleicht kann so dem ein oder anderen Blogbesucher geholfen werden. Meine Meinung muss ja nicht die beste sein. 

Für mich stellt sich zu allererst die Frage, wie weit will ich mit meinen Kollegen privat etwas zu tun haben. Seien wir uns doch mal ehrlich: Was hat meine sexuelle Orientierung mit meiner Arbeit zu tun? Ich kann mich nicht erinnern, dass einer meiner Kollegen zu mir/uns gesagt hat, dass er ein Hetero ist. Hinzu kommt, weshalb muss ich mich für irgend etwas rechtfertigen, für dass es nichts zu rechtfertigen gibt? So lange wir meinen, wir müssen uns als Schwuler, als Lesbe, ... outen, so lange wird die Gesellschaft nie lernen, dass es normal ist, einen gleichgeschlechtlichen Partner zu haben. Ich bin doch deswegen kein Exot. Ich arbeite doch deswegen nicht schneller, langsamer, anders. Klar ist, der Arbeitsplatz ist ein Ort, an dem Berufstätige sehr viel Zeit miteinander verbringen. Hier will man akzeptiert werden. Man soll sich auch am Arbeitsplatz wohl fühlen. Doch was passiert, wenn man Kollegen um sich hat, die mit dem Thema nichts anzufangen wissen. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet zwar Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität. Was nützt das, wenn ich mich nicht mehr wohl fühle. Ich finde, man kann dieses Thema nicht wirklich mit "Ja, oute dich" oder "Nein, oute dich nicht" beantworten. Das hängt immer vom Unternehmen und dem Team ab. Jeder sollte so viel Menschenkenntnis mitbringen, um selbst einschätzen zu können, wem ich was sage und wem nicht. Allen Privates unter die Nase binden, das geht dann für mich etwas zu weit.

Auf die Dauer ist die Heimlichtuerei bestimmt anstrengend - und auch unnötig. Ich gehe deshalb immer ganz offen mit meiner sexuellen Orientierung um. Wenn ich gefragt werde, was ich am Wochenende gemacht habe, sage ich zum Beispiel, dass ich mit meinem Mann im Weinviertel war. Dabei habe ich keine Angst vor Diskriminierung oder die Sorge, den Kollegen eine Angriffsfläche zu bieten. Ich lüge nicht, aber ich gehe jetzt nicht daher und binde jedem unter die Nase, mit wem ich zuhause ins Bett gehe. Solch ein Outing ergibt sich meist aus Gesprächen mit Kollegen. Die tatsächlichen Reaktionen nach einem Outing sind meist weniger schlimm als erwartet. Entscheidet man sich für ein Outing, lässt man am besten im Gespräch mit Kollegen nebenbei die Wochenendausflüge mit dem Partner einfließen. Wichtig ist bei einem Outing, Verständnis für Reaktionen zu haben, die zunächst einmal unerwartet sind. Kommt zunächst ein blöder Kommentar, ist der zwar ärgerlich - häufig lässt er sich aber mit der Verunsicherung der Kollegen erklären. Arten die Bemerkungen jedoch in Mobbing oder Diskriminierung aus, sollte man sich an den Vorgesetzten oder den Betriebsrat wenden.

Fotos: Symbolbilder Pixabay

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Kommentare: 4
  • #1

    Herbert K. Gmunden (Samstag, 27 Oktober 2018 09:50)

    Das geht keinem Kollegen etwas an. Kollegen sind keine Freunde, schnell kann das Outing nach hinten losgehen.

  • #2

    Stefan (Samstag, 27 Oktober 2018 10:04)

    Ich befasse mich schon seit längerer Zeit mit diesem Thema, weil ich noch nicht geoutet bin. Es ist ein ständiges Versteckspiel. Auf der anderen Seite sehe ich es wieder wie du. Ich arbeite in einer Werkstätte mit so richtigen Proloheten. Da hat es sich noch nie ergeben, dass ich mich outen kann. Würde ich mich outen, weiß ich nicht was passieren wird. Werde ich gemobbt? Das ist echt schwer einzuschätzen. Vielleicht sollte ich mich erst einmal bei meinem Kollegen meines Vertrauens outen. Ich weiß aber nicht, wie er dann reagieren wird. Schön dass du das Thema ansprichst. So weiß ich, dass ich nicht alleine mit diesem Problem auf der Welt bin ;-) Wobei, das war mir eh klar. Vielleicht kommt einmal die Zeit, wo man sich gar nicht mehr outen muss, weil es normal ist, anders zu leben. In meinen Berufsjahren wird dies nicht mehr geschehen, mit den ganzen Rechten Parteien, wirds sowieso wieder schwerer. Mal sehen, was passiert. Danke für deinen tollen Blog.

  • #3

    Kussmaulfisch (Samstag, 27 Oktober 2018 10:14)

    Privat ist Privat - Beruf ist Beruf. Weshalb soll ich es mir schwer machen. Deine Lösung ist die ehrlichste. Wird man gefragt, was man gemacht hat, dann zeigt man ja Interesse an deinem Leben. Dann ist es auch egal, wenn du sagst, du warst mit deinem Mann unterwegs.

  • #4

    Andy (Mittwoch, 28 November 2018 21:41)

    Das Sexleben ist privat und hat bei Kollegen nichs verloren. Wenn sich eine Freundschaft bildet ist es was anderes